70 Jahre ישראל. Ein Plädoyer

Wer übt Finnlandkritik? Wer diskutiert das Existenzrecht Japans?

Die Sowjetunion bestand ungefähr 70 Jahre. Zwei andere Staaten, die sich ebenfalls erst im vergangenen Jahrhundert gründeten und Blut&Boden-Freunden als gleichermaßen künstliche Gebilde erscheinen, sind die VR China und Israel. Auch sie werden nun 70 Jahre alt, ein Menschenalter. Um Israel, das sich wie kaum ein anderes Land seiner Feinde erwehren muß, soll es heute gehen ...

Am 14. Mai 1948 ruft David Ben Gurion den Staat aus. Nur drei Jahre zuvor, im Mai 1945, ist den Tätern des Holocaust das Handwerk gelegt und durch die bedingungslose Kapitulation Deutschlands der Zweite Weltkrieg beendet worden: ein nicht bloß zeitlicher, sondern - überaus realer - kausaler Zusammenhang, der so manchem Ideologen immer mal wieder zum "Staatsgründungsmythos" zusammenschrumpft.

Wer die achtziger Jahre erlebt hat, könnte durchaus den Eindruck gewonnen haben, der volkstümliche Palästinenserschal, die berühmte "Kopfwindel", sei Inbegriff linker Gesinnung, so allgegenwärtig war seinerzeit der Anblick der folkloristischen Tracht unter "widerständig" sich dünkenden Jugendlichen und Erwachsenen, insbesondere in "undogmatischen" Strömungen, insbesondere zu Vermummungszwecken. Dabei war das identitäre Bekenntnistuch doch nur Ausdruck eines "linken" Szene-Konformismus, der z.B. auch Tibet-Freunde die einschlägigen Fahnen schwenken läßt, wie ja Fußballfans die ihren. Und so sind längst auch Neonazis dem antizionistischen Trachtentuch nicht mehr abgeneigt.

Angesichts einer derart ernüchternden Faktenlage ist unser Plädoyer keine Propaganda. Israel, dieses kleine Land, ist surrounded, umstellt, umzingelt - so singt das Trio Aravah 1957 im Lied "Ani amillam".
 

"Es gehört zu den Eigenheiten der israelkritischen Morallehre, daß man sich für palästinensisches Elend nur interessiert, wenn Juden daran schuld sind."
(Leo Elser)


Wir hören zwei Beiräge zum Thema:

  • Tilman Tarach: "Der ewige Sündenbock" (Lesung, 2016 in Esslingen)
  • Leo Elser: "Darf man Israel kritisieren?" (Vortrag, 2011 in Freiburg)

 

"Nichts gefällt Israelkritikern besser, als beständig darüber zu reden, daß sie nicht über das reden dürfen, worüber sie die ganze Zeit reden."
(Leo Elser)

 

"Wer auf dem Weg vom Vorurteil über das Ressentiment schließlich beim Wahn, beim geschlossenen antisemitischen Weltbild angelangt ist, schafft sich seine eigene Realität."
(Tilman Tarach)

 

"Die Tonart ist B-Dur, harmonisch beruht Israelites auf einer einfachen Dur-Kadenz. Ungewöhnlich ist jedoch die Verwendung des leiterfremden Akkordes Des-Dur am Ende jeder Phrase, also im Turnaround. Diese Stelle wird zusätzlich besonders akzentuiert durch die als schneller unisono-Lauf gespielte Des-Dur-Tonleiter aufwärts."  (Quelle: Wikipedia)

 

 

 

 

 

Wie es aussieht, kommen wir auch 2018 kaum noch aus dem gestrengen Feiern heraus ...
Waren im letzten Jahr schon 150 Jahre "Das Kapital" und 100 Jahre Oktoberrevolution zu begehen, so lauern dieses Jahr katerträchtige Jubiläen wie 10 Jahre Weltwirtschaftskrise, 200 Jahre Karl Marx, 50 Jahre "1968" und 70 Jahre Israel auf unser einvernehmliches Anstoßen ... nicht zu vergessen: 20 Jahre Sachzwang FM!
Vielleicht sollte man sich grundsätzlich mal fragen, woher das allseitige Interesse für die Vergangenheit rührt; doch nicht etwa aus der Mitte einer Gesellschaft, die keine Zukunft mehr denken kann (außer der ewiglichen Verlängerung der Gegenwart)?

 

Ach - was Sie bestimmt immer schon einmal wissen wollten:

Sachzwang FM wird von keiner Seite gefördert, weder gibt es Projektgelder aus Bundes-, Landes- oder kommunalen Etats, noch Mittel von europäischen oder karitativen Institutionen. Natürlich hat auch privates Sponsoring bei uns keine Chance, denn Unabhängigkeit ist der Kritik lieb und teuer.

 

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Sendetermin
Sonntag, 20. Mai 2018 - 20:00 bis 22:00
Wiederholung
Freitag, 1. Juni 2018 - 14:00 bis 16:00
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